Schottland

Reisen - ich vermisse dich

Seit meiner Neuseeland/Australien-Reise sind bereits gut vier Monate vergangen. In der letzten Zeit hat sich viel getan. Nach den Aufnahmeprüfungen auf der Uni hatte ich endlich einen fixen Studienplatz in der Tasche. Doch trotzdem nagte etwas an mir… Es war Fernweh.

 

Ich vermisste das Reisen unglaublich. Ich wusste, dass ich am Anfang meines Studiums nicht wirklich viel Zeit für Reisen haben werde, weswegen ich spontan beschloss meinem Herz zu folgen und die letzten zwei Ferienwochen wohin zu fliegen. Ich war mitten in einem Ferialjob, doch ich konnte mit meinen Chef vereinbaren das Arbeitsverhältnis früher zu beenden.

 

Voller Euphorie scrollte ich im Internet nach günstigen Flügen. Und da war er: Wien – Edinburgh und zurück um nur 50€. Sofort gebucht, mein Herz schlug wie verrückt. Endlich ging es für mich wieder in die Ferne und dieses Mal ohne Begleitung. Ich hatte gerade mal 300€ zur Verfügung. Somit musste ich die Reise ein wenig planen, um nicht von spontanen hohen Kosten überrascht zu werden. Doch darin war ich mittlerweile ein Profi. 

 

Um meine Reisekosten so gering wie möglich zu halten, beschloss ich nur mit Handgepäck zu reisen und ein paar Tage in einem Hostel zu arbeiten. So konnte ich mir die Kosten für Unterkunft und Essen für ein paar Tage sparen. Auf der Wwoofing Website fand ich ein süßes kleines Hostel in Inverness, wo ich nach kurzer Zeit eine Zusage bekam.

Aufgeregt packte ich meinen kleinen Rucksack und dann gings Richtung Flughafen. Und da war es wieder: das Ungewisse. Ich wusste weder was mich dort erwarten, noch ob mir die Reisen gefallen würde.

 

Doch eines wusste ich: Ich werde es nicht bereuen!

Edinburgh

Ich kam spät in der Nacht in Edingburgh an. Ich zückte mein Handy aus dem Rucksack und wollte mittels Google Maps den Weg zu meinem gebuchten Hostel suchen. Doch mein Handy funktionierte nicht, denn es schaltete sich sobald ich die App öffnete immer wieder aus. Edingburgh, alleine im Dunkeln und ohne Plan wo ich hinmusste. Und in solch einem Moment kann eine Stadt wie Edinburgh ziemlich gruselig wirken.

 

Da ich noch vor Mitternacht im Hostel ankommen wollte, hatte ich keine andere Wahl als die Leute auf der Straße nach dem Weg zu meiner Unterkunft zu fragen. Ich hatte Glück, ein Mann kannte die Straße und sagte mir den Weg an. Zum Glück, denn ansonsten wäre ich womöglich stundenlang herumgeirrt. Eine Stunde später kam ich endlich im Hostel. 

 

Ich ging ins Zimmer, legte mich in mein Bett, schloss meine Augen und fragte mich für einen kurzen Moment: „Warum muss ich solche Reisen immer alleine machen? War es die richtige Entscheidung? Hätte ich nicht einfach daheimbleiben können?“. Diese Fragen begleiten mich immer am Anfang meiner Reisen… Doch am Ende stellte sich meist heraus, dass die Sorgen umsonst waren…

 

Der nächste Morgen stand an und ich entschied mich nach dem Frühstück eine Free Walking Tour in Edinburgh zu besuchen. Ich war nicht die Einzige von meinem Hostel die diese Idee hatte. Nach kurzer Zeit waren wir eine Truppe aus vier Alleinreisenden, die gemeinsam beschlossen hatten Edinburgh zu erkunden. Und genau das liebe ich am alleine reisen.

 

Edinburgh ist Schottlands Hauptstadt und hat eine wunderschöne Altstadt mit viel Geschichte.

Empfehlungen für einen Edinburgh Rundgang:

Edinburgh Castle

Royal Mile

St. Giles Cathedral

Scott Monument

Princess Street Gardens

Dean Village

Nach der Free Walking Tour wanderten wir gemeinsam auf den Hausberg von Edingburgh, dem Arthur’s Seat. Von dort aus hat man einen wunderschönen Blick auf die Stadt und man kann sogar die südlichen Highlands sehen! 

Den Abend ließen wir in einer typischen schottischen Bar ausklingen, wo eine Live Band für super Stimmung sorgte. Ich musste mich mal wieder kneifen um zu realisieren welches Glück ich im Leben habe.

Es kamen wieder neue Leute in unser Hostel  und somit auch neue Bekanntschaften. Es war schon verrückt wie schnell man Freundschaften schlissen konnte und wie viele tolle Reisegeschichten man zu hören bekam.

 

Ich hatte nur zwei volle Tage in Edinburgh, deswegen wollte ich am Morgen unbedingt die Chance nutzen, um das Meer sehen zu können. Und ja, es ist gar nicht mal so weit weg! Portobello Beach war nur eine halbe Stunde Busfahrt von der Hauptstadt entfernt. 

Dort angekommen peitschte mir der Wind ins Gesicht. 

Für September war es bereits eisig kalt. Doch das machte mir nichts, denn ich fühlte mich zu Hause. Zu Hause am Meer.

Ich setzt mich in den kalten Sand, beobachtete die Wellen und träumte von einem Leben voller Reiseabenteuer. Ich hatte mein Leben selbst in der Hand und in diesem Moment gab ich mir selbst das Versprechen nie mit dem Reisen aufzuhören. 

Es war bereits mein letzter Abend in Edinburgh, weshalb wir  beschlossen hatten,  den Abend bei Sonnenuntergang auf dem Calton Hill zu verbringen. Wir spazierten von Edingburgh los und erreichten den Hügel nach kurzer Zeit. Der Moment war magisch als sich die Sonne langsam von uns allen verabschiedete. Bye Edinburgh, ich habe dich nach kurzer Zeit schon in mein Herz geschlossen.

Calton Hill – Dugald Stewart Monument

Auf in den Norden

Früh am Morgen ging mein Bus in Richtung Norden. Next Stop – Inverness. Inverness ist eine Stadt an der Nordostküste Schottlands und zählt als das kulturelle Zentrum der Highlands. Die Stadt liegt an der Mündung des Flusses Ness, welcher aus dem Loch Ness fließt. An dieser Stelle ist uns allen Loch Ness und die berüchtigte Nessi bekannt…

Die nächsten Tage verbrachte ich im Inverness Student Hotel, wo ich auch die nächsten Tage für ein paar Stunden arbeitete. Im Gegenzug dazu bekam ich vier gratis Übernachtungen mit Frühstück. Der Hostelinhaber war unglaublich nett und so fiel es mir bereits am ersten Tag nicht schwer mich pudelwohl zu fühlen. Das Wohnzimmer war bunt eingerichtet und in der Mitte war ein großer gemütlicher Kamin zu finden. Da es regnete, beschloss ich den Tag mit einem Buch im Hostel zu verbringen.

 

Doch lange war ich nicht alleine. Zwei Amerikanerinnen gesellten sich mit einer Tasse Tee zu mir und fragten mich ganz gespannt was mich nach Inverness führte. Eine der Amerikanerinnen war sogar eine Krankenschwester. Da ich bald mein Pflege Studium starten würde, stellte ich ihr vielen Fragen zu dem Beruf. Im Laufe des Gespräches wurde mir bewusst, dass ich mich für einen der anstrengendsten Berufe entschieden hatte…

Inverness Student Hostel

Am Abend wurden wir von einem Hostelgast, einem deutschen Tierarzt, bekocht. Er erzählte uns, dass er gerade die Welt bereise und somit seinen Traum lebe. Seine Augen leuchteten wie verrückt, da das Feuer ihn ihm förmlich brannte. Ich fand seine Geschichte inspirierend. Er tat alles für seinen Traum und in jedem Hostel in dem er war, bekochte er die anderen Hostelgäste. Was für ein Glück für mich, dass er noch ein paar Tage bleiben wollte.

Am nächsten Morgen startete ich mit die Arbeit. Ich putzte die Hostelzimmer, erledigte Einkäufe und richtete das gemeinsame Frühstück der Gäste her. Die vier Stunden vergingen wie im Flug. Den Nachmittag wollte ich alleine verbringen. Am Tag davor erzählte mir ein Hostelgast vom Chanonry Point. Angeblich konnte man von dort aus Delfine beobachten. Ich nahm den nächsten Bus in Richtung Fortrose und von dort aus spazierte ich weiter zum Leuchtturm. Es fing an zu regnen und die Wellen peitschten gegen das Ufer. Doch Delfine konnte ich an diesem Tag leider keine sehen.  Ich verbrachte noch zwei Stunden an diesem Ort und starrte Richtung Ozean. 

 

Langsam machte ich mich wieder auf den Weg Richtung Inverness. An der Bushaltestelle angekommen stellte ich fest, dass ich den letzten Bus retour bereits verpasst hatte. Ein Taxi konnte ich mir nicht leisten, somit entschied ich mich zurück zum Leuchtturm zu gehen und die beiden alten Fischer, mit welchen ich kurz davor ein Gespräch geführt hatte, zu fragen, in welche Richtung sie heute noch fahren würden. Und ja, sie fuhren in die richtige Richtung. Da sie nur einen Zweisitzer hatten, durfte ich es mir mit den Angelrouten auf der Ladefläche hinten gemütlich machen.

 

Angekommen im Hostel erwartete mich bereits das frisch gekochte Abendessen, auf welches ich mich nach den kalten Stunden wirklich freute. Wir aßen alle zusammen, erzählten uns Geschichten und beschlossen den Abend in einem kleinen Pub in Inverness bei Livemusik ausklingen zu lassen.

Isle of Skye

Am nächsten Morgen startete ich mit meiner letzten Arbeitsschicht. Als ich das Frühstück für die Gäste vorbereitete, kam der Hostelinhaber auf mich zu. Er erzählte mir von seinem zweiten Hostel. Er meinte es seien spontan ein paar Betten freigeworden und ich könnte auch dort die noch ausstehende „gratis Nacht“ in Anspruch nehmen. Gesagt, getan. Ich packte meinen Rucksack und stieg in den nächsten Bus Richtung Kyleakin.

Die zweistündige Fahrt war mystisch, die Landschaft war wunderschön und ich sah unzählige verlassene Burgen. Als ich ankam, beschloss ich noch einen kleinen Spaziergang zu machen, um die Gegend ein wenig zu erkunden. Der Wind wehte stark und es begann wieder zu regnen. Doch die wunderschöne Landschaft machte alles wieder gut.

 

Kyleakin ist eine kleine Ortschaft im Südosten der Insel Skye in den Highlands

Am Abend wurde ich von meiner Zimmerkollegin, einer indischen Frau, zum Essen eingeladen. Sie war bestimmt 20 Jahre älter als ich, doch der Altersunterschied spielte keine Rolle. Wir verstanden uns sehr gut und sie erzählte viel Interessantes über die indische Kultur. Sie war begeistert, dass ich mit meinen jungen 20 Jahren bereits so viel von der Welt gesehen hatte. Und ja, sie hatte Recht, das war wirklich ein Privileg.

Am nächsten Morgen nahm ich an einem vom Hostel organisierten Ausflug in die Highlands teil. Wir besuchten die hübsche Küstenstand Portree, bewunderten die beeindruckenden Ruinen von Eilean Donan Castle und machten eine Wanderung im Regen zum bekannten alten Mann von Storr. Der Guide erzählte uns viel über die Geschichte der Isle of Skye, darunter auch viele gruselige. Doch trotz dem schlechten Wetter und dem tiefhängenden Nebel war die Landschaft atemberaubend. Ich war in die Schönheit Schottlands verliebt und das nicht ohne Grund. 


Isle of Skye ist mystisch - die Landschaft, die Geschichte und auch die Menschen.

Nach dem Ausflug machte ich mich wieder auf den Weg nach Inverness, wo ich meine letzten Tage verbrachte. Ich freute mich riesig all meine Bekanntschaften wieder zu sehen und ihnen von meinen schönen Erlebnissen erzählen zu können. Auch sie hatten in der Zwischenzeit viel erlebt und eine junge Reisende hatte sogar das Glück Delfine am Chanonry Point zu erblicken!

Abschied nehmen

Man verbringt oft nur ein paar Tage miteinander, manchmal auch nur ein paar Stunden, doch trotzdem fiel mir der Abschied schwer. Doch ich wusste, dass wir alle in Kontakt bleiben würden. Und ja, das taten wir meist auch! Umso schöner fand ich es als ich erfuhr, dass die junge Amerikanerin nun in Neuseeland als Krankenschwester arbeitete. Ich habe sie anscheinend mit meinen Geschichten über Neuseeland inspiriert. Das bringt mich heute noch zum Lächeln.

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