Australien

Time for Aussie

Ich war am Flughafen in Auckland und wartete auf meinen Flug nach Sydney. Meine Gefühle waren gemischt, einerseits freute ich mich riesig auf Australien und andererseits vermisste ich bereits Neuseeland.

Wird mir Australien genauso gut gefallen wie Neuseeland? Ich denke kaum… Es ist ein Unterschied ob man in einem Land für mehrere Monate lebt oder ob man nur für ein paar Wochen das Land bereist. Doch das ist ok. Neuseeland war ein einzigartiges Abenteuer, aber auch Australien wird einzigartig sein!

Ich stieg in den Flieger ein, setzte mich auf meinen Platz und schloss meine Augen für einen kurzen Moment. Wie glücklich konnte ich mich schätzen, dass ich mit meinen 20 Jahren so tolle Dinge in meinem Leben erleben durfte! Ich war dankbar dafür, dass ich vor einem halben Jahr meinen ganzen Mut in die Hand genommen hatte und auf die große Reise ging. Hätte ich das nicht gemacht, hätte ich unmöglich bald meine beste Freundin in Sydney in die Arme schließen können! Und da war es wieder: Das Gefühl der puren Vorfreude auf Aussie!

Sydney

Ich ging die Straßen in Sydney entlang und da sah ich sie schon! Wir liefen aufeinander zu und umarmten uns quietschend vor Freude. Wir konnten es nicht glauben, dass wir uns hier auf der anderen Seite der Welt treffen und gemeinsam Australien erkunden würden.

Sabine war schon ein paar Monate in Sydney gewesen, da sie ihre Verwandten aus Sydney besucht hatte. Somit spielte sie den Touristenführer und zeigte mir die schönsten Spots von Sydney. Und ja, sie versprach nicht zu viel, Sydney ist eine unglaublich schöne und riesige Stadt! Innerhalb von Sydney kann man sich mit dem Schiff, dem Bus, dem Zug und natürlich zu Fuß fortbewegen.

 

Wir aßen die für Australien bekannten Pies, besuchten die wunderschönen Gärten, gingen in den Sydney Zoo, genossen die Schönheit des Darling Harbours und natürlich besuchten wir auch das Sydney Opera House!

Übernachtet haben wir die ersten Nächte bei Sabine ihren Verwandten in der Nähe des Manly Beaches. Und ja, da hat sich das australische Klischee bereits bestätigt: Hunderte von gutaussehenden Surfern waren dort zu sehen. Ich fühlte mich wie im Film! Schade, dass ich nicht surfen konnte…

Bevor wir Sydney für unsere Ostküsten-Reise verließen, machten wir noch einen Tagesausflug zu den Blue Mountains und den Three Sisters. Das Blue Mountains Gebirge im New South Wales weist eine Fläche von 2.470 km² auf. Der Nationalpark ist wunderschön und eignet sich perfekt für Wanderungen.


Hotspots in Blue Mountains

Grand Canyon Walking Track

Govetts Leap

Three Sisters

Botanic Garden

Katoomba Fall

Hop on - Hop off

Unsere Zeit in Sydney war zu Ende! Wir schnappten früh am Morgen unsere Rücksäcke und machten uns auf den Weg, um die wunderschönste Ostküste Australiens zu sehen. Sabine musste ihre Heimreise bereits in gut zwei Wochen antreten, deswegen wir beschlossen nur die Hotspots der East Coast zu erkunden. Wir hatten den Pass für den Greyhound Hop on – Hop off- Bus, mit welchem wir entlang der Ostküste überall aus- und einsteigen konnten wo wir wollten. Unser letztes Ziel war die Stadt Cairns welche gut 2.400 km entfernt von Sydney liegt.

Nach gut 8 Stunden Fahrt kamen wir bei unserem ersten Ziel an : Byron Bay!

Byron Bay ist bekannt für seine schönen Strände und seine bekannten Surf- und Tauchplätze. Und ja, die Strände waren wunderschön! Doch das australische Meer ist wirklich mit Vorsicht zu genießen. Ich lernte dort zum ersten Mal, wie man durch Wellen richtig durchtaucht. Wenn mir das nicht gelungen ist, dann bereute ich es sofort.

Ich muss ehrlich sagen, dass ich seit meinem Autounfall in Neuseeland ein bisschen Angst oder besser gesagt Respekt vor dem Wasser hatte. Bei den riesigen Wellen in Australien ist so eine Angst nicht gerade von Vorteil. Doch man kann das Meer auch vom Strand aus super genießen.

Byron Bay Empfehlungen

Cape Byron Leuchtturm

Lighthouse Trail

Byron Bay Beach

Tallow Beach

Byron Bay Farmers Market

Surfer beobachten 🙂

Nach zwei Tagen Byron Bay ging es für uns weiter nach Surfers Paradise, wo wir nur eine Nacht verbrachten. Die Stunde Fahrzeit kam uns wie ein Katzensprung vor!

Surfers Paradise ist bekannt für die Skyline, den kilometerlangen Strand und für das verrückte Nachtleben! Doch das „Surfers Paradise“ ist nicht wirklich ein Paradies für Surfer, da es kaum Wellen gibt und deshalb der Name ein wenig irrendführend ist. Wir checkten in unser schönes 12-Betten-Hostel ein. 

 
Ach wie schön mit 11 anderen Reisenden das Zimmer zu teilen. Ich sage es euch, da ist ein „super erholsamer Schlaf“ vorprogrammiert. Doch unsere gute Laune verflog wie im Flug, als wir die Nachricht bekamen, dass unser Trip nach Fraser Island (welcher zwei Tage später stattfinden sollte) gar nie von unserem Reisebüro gebucht wurde. Nach mehreren Telefonaten und einigen Krokodilstränen bekamen wir aber einen Platz bei einem anderen Anbieter.

 

Unsere Zimmerkollegen wollten uns aufheitern und luden uns ein bei einem Beer Pong Turnier mitzumachen. Das eine oder andere „Bierli“ konnten wir nun wirklich gut gebrauchen…

 

Ein paar Runden später beschlossen wir mit den anderen Reisenden uns in das Nachtleben von Surfers Paradise zu stürzen. Die ganze Stadt blinkte und alles glitzerte, sogar die Palmen! Die Australier wissen wie man richtig feiert! Diese Nacht konnten wir trotz Geschnarche super schlafen.

Welcome to Fraser Island

Wir buchten eine 2 days – 1 night Erkundungstour auf Fraser Island. Fraser Island ist mit einer Länge von über 120 km die größte Sandinsel der Welt! Wahnsinn, oder? Wir waren eine große Gruppe und waren mit fünf bis sechs Geländewägen unterwegs. Wir hatten zwei super Tourguides, die immer gute Laune versprühten. Mit unserem Geländewagen fuhren wir die Sandstraßen entlang. Eine kurze Abkühlung im Meer? Das war nicht erlaubt. Hochgiftige Quallen und Krokodile hätten uns die Abkühlung sicher unangenehm gemacht. Übernachtet haben wir in einem Zelt auf einem Campingplatz. 

 

Wir kochten gemeinsam zu Abend, erzählten uns Geschichten am Lagerfeuer und gingen dann fix und fertig in unser „Bett“. Mitten in der Nacht suchte ich die „Toilette“ auf. Mit meiner Taschenlampe in der Hand schlapfte ich über den Campingplatz und erblickte einen riesigen „Lizard“. Zum Glück war ich zu müde um zu schreien!

Am nächsten Morgen waren alle sehr aufgebracht, da der Campingplatz Wart hat in dieser Nacht eine der giftigsten Schlangen gesehen hatte. Toll, da kann ich ja ziemlich froh sein, dass ich nur den „Lizard“ zu Gesicht bekam.

Wir brausten mit unserem Geländewagen die Sandstraße entlang und erblickten von Weitem ein riesiges Schiffswrack. Es war die „SS Maheno“ die an die australische Küste gespült wurde, nachdem sie 1905 als Luxusliner in See gestochen war und 1915 zum Kriegs-Lazarettschiff umgebaut wurde. Der Zutritt zu dem Schiff ist verboten. Der Anblick war der Wahnsinn!

Déjà-vu

Als wir mit unserem Auto „weitercruisten“ passierte es. Unser Tourguide saß am Steuer und wir waren das erste Auto unserer Gruppe. Wir wollten eine Stelle überqueren wo zu dieser Zeit eigentlich Ebbe hätte sein sollen, doch wir waren spät dran und von der Ebbe war nicht mehr viel zu sehen. Mit dem Walkie-Talkie warnte unser Guide die anderen Gruppen und forderte sie zu warten. Dennoch versuchten wir die andere Seite zu erreichen.

 

Ich sah die Wellen immer näher kommen und die Angst war wieder da. Wasser und ein Jeep. Ich hatte panische Angst, wollte am liebsten das Auto verlassen, doch dafür war es zu spät.

 

Der Guide stieg aufs Gas, die Wellen prallten gegen unser Auto. Ein paar schrien und die anderen fanden es sogar lustig. Mit viel Glück schafften wir es und erreichten die andere Seite. Ich war im Schock. Die Wellen waren so stark, wenn wir im Wasser gelandet wären, hätten wir keine Chance gehabt. Der Guide sagte darauf: „Das war knapp, es ist viel zu gefährlich, die anderen müssen unbedingt warten!“. Also hat auch er eingesehen, dass die Aktion sehr gefährlich war…

 

Genug Abenteuer! Nun brauchten wir wieder ein wenig Entspannung. Nach einem leckeren Mittagessen fuhren wir zum Lake McKenzie. Lake McKenzie ist ein wunderschöner See in dem man sogar schwimmen durfte! Keine gefährlichen Tiere erwarteten uns dort.  Abgesehen von einer handgroßen Spinne, die ich auf der Toilette vorfand. In Australien muss man wirklich überall auf der Hut sein! Da war ich von Neuseeland ziemlich verwöhnt, dort gab es nur süße Schäfchen und paar bunte Vögelchen.

Weitere tolle Dinge die wir auf Fraser Island erlebten:

Eli Creek

Indian Head

Champagne Pools

The Pinnacles

Dingos in freier Wildbahn

Auf ins offene Meer

Nach zwei aufregenden Tagen auf Fraser Island, wurden wir wieder zurück nach Rainbow Beach gebracht, wo unser Bus bereits wartete. Rund 11 Stunden Nachtfahrt standen uns bevor, aber dadurch, dass ein Känguru vor dem Bus gesprungen ist, verzögerte sich dich Fahrt um weitere vier Stunden. Traurigerweise werden Kängurus in Australien von vielen als Plage angesehen, da es mehr als doppelt so viele Kängurus als Einwohner gibt. Es wird geschätzt, dass jährlich an die 200.000 Autofahrer Kängurus auf Straßen antreffen. Dabei kommt es regelmäßig zu Verkehrsunfällen….

Nach gut 15 Stunden Busfahrt haben wir es endlich geschafft. Wir kamen in Airlie Beach an wo ein riesiger Katamaran für uns bereit stand. 20 Mädels, ein Katamaran und das offene Meer. 

 Drei Tage und zwei Nächte standen uns auf dem Schiff bevor. Die Wellen waren hoch und die Sonne war unglaublich stark. Bereits am ersten Tag wurde ich seekrank. Ich konnte kaum etwas essen. Hatte bei jeder hohen Welle Angst, dass unser Schiff untergehen könnte. Zu diesem Zeitpunkt beschloss ich nie wieder eine Schiffstour zu machen. Der Autounfall hatte einfach Spuren hinterlassen…

Doch zum Glück war der Wellengang am zweiten Tag ruhiger und wir fanden einen wunderschönen Schnorchel-Platz am Great Barrier Reef.

Das australische Meer ist voll mit gefährlichen Tieren, darunter auch hochgiftige Quallen. Das war der Grund, wieso wir ohne Neoprenanzug nicht ins Meer durften. 

Wir sprangen in das offene weite Meer, schwammen los und bewunderten das Great Barrier Reef. Das Great Barrier Reef ist ein 2.300 km langes Ökosystem welches, tausende Riffe und hunderte Inseln beinhaltet.

 

Wahnsinnig schöne bunte Fische und Korallen bekamen wir zu Gesicht. Manche von uns tauchten sogar mit Schildkröten. Doch nach gut 20 Minuten schnorcheln war ich froh,  dass ich wieder auf dem Schiff angekommen war. Ein wenig angsteinflößend war es immer noch für mich. Das offene Meer und ich werden anscheinend keine guten Freunde mehr…

Den Abend verbrachten wir auf unserem Katamaran mit leckerem Essen und einem Gläschen Goon. Der Sonnenuntergang war unglaublich! Und wieder dachte ich mir: Wie dankbar ich für diese abenteuerliche Zeit bin!

Am letzten Tag unserers Trips besuchten wir die bekannten Whitsundays Islands! Die Whitsundays Islands bestehen aus 74 Inseln von denen 17 bewohnt sind. Auf der größten Insel der Inselgruppe der Whitsundays Islands befindet sich der bekannte Whitehaven Beach, welcher zu den schönsten Stränden der Welt zählt. Und das nicht ohne Grund!

Der Whitehaven Beach ist ein schneeweißer langgezogener Strand. Der Strand besteht fast hundertprozentig aus Quarz, der auch für die weiße Farbe verantwortlich ist. Das Meer schimmert türkis und das Wasser ist unglaublich klar.

Whitehaven Beach – ein Traumstrand wie aus dem Bilderbuch!

Von dem Aussichtspunkt Tongue Point an der Tongue Bay hatten wir einen wunderschönen Blick auf den Strand. Einfach nur zu empfehlen!

 

Natürlich durfte eine kleine Wanderung im Whitsunday Islands National Park nicht fehlen! Es ist einfach das Paradies auf Erden und schöner hätte unser letzter Tag auf unserem Trip nicht sein können. Wir Mädels hatten auch unseren Spaß wie man sehen kann 🙂

Cairns - wo Ozean und Regenwald aufeinandertreffen

Unser letztes Ziel der Reise war Cairns. Cairns ist bekannt als das „Tor zum Great Barrier Reef“ und ist ein beliebter Ausgangspunkt vieler Backpacker. Sabine und ich verbrachten dort die letzten gemeinsamen Reisetage. Wir entspannten hauptsächlich beim Cairns Esplanade Lagoon und  ließen die letzten Wochen und Tage Revue passieren. Es war schon sehr beeindruckend was wir alles erlebt hatten. Doch irgendwie hatten wir gar nie so richtig Zeit, all das Erlebte zu verarbeiten…

 

Ich merkte wie ich langsam reisemüde wurde. Ich war nun sieben Monate unterwegs und hatte nie wirklich eine Pause. Ja das Reisen kann auch sehr anstrengend sein… Somit war es eine gute Entscheidung die Seele in den letzten Tagen einfach baumeln zu lassen.

 

Sabine flog zurück in die Heimat und ich hatte noch eine Woche Australien vor mir. Da Sydney um einiges teurer war als Cairns, beschloss ich noch ein paar Tage Cairns anzuhängen. Ich wollte von der wunderschönen Gegend noch etwas sehen, somit ging ich ins Reisebüro um meinen letzten Ausflug zu buchen.  Komischerweise wurde meine Kreditkarte immer abgelehnt. Ich rief meine Bank an und konnte es nicht glauben: Meine Kreditkarte war überzogen. Ich hatte stets einen guten Überblick, doch anscheinend wurden ein paar Zahlungen etwas zu spät abgebucht und somit hatte ich mich verkalkuliert. 

 

Ich brach in Tränen aus. Ich hatte noch sieben Tage vor mir und ich war pleite… Wir würde ich nun mein Hostel für die nächsten Tage zahlen? Geschweige denn mein Essen? Ich rief meinen Bruder an und bat ihm um ein paar „Notgroschen“. Zum Glück borgte er mir das Geld. Nun wusste ich, dass es langsam wieder Zeit wurde nach Hause zu kommen .  

Die nächsten Tage waren ein Auf und Ab der Gefühle. Auch wenn ich nur wenig Geld zur Verfügung hatte, beschloss ich trotzdem einen Ausflug nach Port Douglas zu machen. 

Sieben Monate sind um

Nun war es soweit, ich stand mitten am Sydney Flughafen und wartete auf meinen Rückflug. Ich freute mich unglaublich auf meine Familie, Freunde und auf mein Pferd Charly. Doch irgendwie fühlte ich mich noch nicht bereit dafür. Wären die Uni Aufnahmeprüfungen nicht bereits in ein paar Wochen angestanden und wäre meine finanzielle Lage eine bessere gewesen, hätte ich meinen Rückflug mit Sicherheit nach hinten verschoben. 

 

Und wo wäre ich dann hin? Ich wäre vermutlich nicht in Australien geblieben, sondern hätte nochmals mein Lieblingsland Neuseeland besucht.  So schön wie Australien auch war, habe ich mich trotzdem in Neuseeland verliebt.

Ich bin unglaublich dankbar für die sieben aufregenden Monate. Dankbar für all die Menschen die ich kennenlernen durfte, dankbar für all die Abenteuer, die ich erleben durfte und dankbar dafür, dass ich gesund wieder nach Hause gekommen bin.

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